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„Geld oder Leben – Nachdenken über Nachhaltigkeit“ im Schloss Reinbek

Leuchtobjekte aus Altglas, Abendtaschen aus Plastiktüten, Colliers aus Strandgut: Im Schloss Reinbek zeigen gegenwärtig 30 Künstlerinnen und Künstler der Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks (AdK) Hamburg, welch hochwertige Produkte aus Abfall entstehen können.


„Geld oder Leben – Nachdenken über Nachhaltigkeit“ heißt ihre Ausstellung, die wieder einmal beweist, wie innovativ und zukunftsorientiert Kunsthandwerk in Deutschland ist.

Zugegeben, die Ausstellung liegt ein wenig versteckt. Ganz oben, im dritten Stock, im sogenannten Krummspanner. Wer diese imposante Fachwerkkonstruktion noch nicht gesehen hat, wird überwältigt sein von dem riesigen, hallenartigen Dachstuhl, der in seiner erstaunlichen Höhe an ein mittelalterliches Kirchenschiff erinnert.
Als erstes stößt man auf eine kleine Sonderschau zum 100. Geburtstag der Keramikerin Monika Maetzel (1917-2010). Die Tochter des Hamburger Künstler-Ehepaares Dorothea Maetzel-Johannsen und Emil Maetzel gehörte zu den Gründungsmitgliedern der AdK Hamburg 1956 und ist mit ihrer markanten Formsprache und den immer wiederkehrenden weiß-braunen oder blau-grünen Mustern und Glasuren weit über Hamburg hinaus bekannt geworden.

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Im nächsten Raum dann präsentiert die AdK Hamburg eine Fülle von Objekten aus Glas, Holz, Keramik, Metall und Textil, die vor Augen führen, wie kreativ man den Raubbau an natürlichen Ressourcen mindern und das Kaufen für die Mülltonne eindämmen kann.
Viele der hier vertretenen Künstlerinnen und Künstler experimentieren bereits seit langem mit gebrauchten und entsorgten Materialien. Die ersten Radiergummi-Ketten von Claudia Römer beispielsweise stammen aus einer Zeit, als man den Begriff „Upcycling“ noch gar nicht kannte.

Heute ist Upcycling einer der Schlagworte, wenn es um Nachhaltigkeit geht: Ob Stuhlbezüge und Flaschenhussen aus Filz (Anja Matzke-Schubert), Teppiche aus alten Krawatten (Ulrike Isensee), Ketten aus Kronkorken (Claudia Westhaus), Schatzkästchen aus Konservendosen (Karen Knickrehm) oder Leuchtwände aus Altglas (Sybille Homann) – es fällt schwer, aus den vielen phantastischen Entwürfen, die im Schloss Reinbek versammelt sind, einzelne Beispiele herauszugreifen.

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Den meisten Objekten sieht man ihr Material an, bei den Ohrclips von Friederike Rohse allerdings würde wohl niemand den ursprünglichen Gebrauch erraten: Ihre mit Blattgold patinierten Halbkugeln in der Form von Blütenstempel entstanden aus den entsorgten Endstücken einer Duschvorhangstange.

Silja Böhm liefert unterdessen mit filigranen Ketten aus gestanztem Plastik und Silber den Beweis, wie vielseitig und dekorativ sich alte Plastikflaschen einsetzen lassen. Und Annette Kutz schafft es tatsächlich, ihre extravaganten Ringe und Krawattenklemmen zum Blühen zu bringen: Der Silberschmuck ist mit echten Pflanzen bestückt und sogar tragbar. Allerdings nur mit großer Vorsicht und auch nicht allzu lang.


Die Textil- und Holzarbeiten sind da ungleich robuster. Bestes Beispiel die riesigen Schalen von Hermann Savary aus uraltem, deutschen Mammut-Kernholz. Oder auch die eleganten Abendtaschen der Weberin Silke Janssen. Wer sie zur Hand nimmt, mag einfach nicht glauben, nur Mülltüten in den Fingern zu halten.


„Geld oder Leben – Nachdenken über Nachhaltigkeit“
eine Ausstellung der AdK Hamburg im Schloss Reinbek, ist bis 10. September 2017 zu sehen.
Geöffnet: Mi-So 10-17 Uhr.
Am 8. September, 10-18 Uhr veranstaltet die AdK Hamburg zum Thema Nachhaltigkeit ein ganztägiges Symposium im Schloss Reinbek (10-18 Uhr).
Eintritt: 3 Euro.

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Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg e. V. (AdK)
c/o Justus Brinckmann Gesellschaft e.V.
Steintorplatz 1, 20099 Hamburg
Tel.: +49 (0)40 2452 91

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